Methoden
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Transaktionsanalyse (TA)
"Die
Transaktionsanalyse ist eine Theorie der menschlichen Persönlichkeit und
zugleich eine Richtung der Psychotherapie, die darauf abzielt, sowohl
die Entwicklung wie auch die Veränderung der Persönlichkeit zu fördern."
So lautet die Definition der International Analysis Association.
Die TA
wurde in den 50er Jahren von dem amerikanischen Psychiater und Psychoanalytiker
Eric Berne (1910 - 1970) entwickelt. Er wollte eine einfache, auch
für den Patienten verstehbare Sprache finden und "übersetzte" die komplexe
Theorie und Praxis der Psychoanalyse in eine kompakte, bildhafte Sprache.
Einer der zentralen Begriffe der TA, der (nicht bewusste) Lebensplan,
Skript genannt, geht auf Alfred Adler zurück.
Das zugrunde liegende Menschenbild der TA ist von der Humanistischen
Psychologie geprägt und geht davon aus, dass der Mensch von Natur
aus über Kräfte zur Autonomie und Selbstverwirklichung verfügt.
E. Berne
unterteilt die Persönlichkeit des Menschen in drei Ich-Zustände.
Definition: ein Ich-Zustand ist ein kohärentes, d.h. ein in sich zusammenhängendes
und geschlossenes System aus Fühlen, Denken und Handeln (physischen Reaktionen),
das auf einen bestimmten Sachverhalt bezogen ist und ein System entsprechender
Verhaltensweisen motiviert. Etwas einfacher zusammengefasst: ein Ich-Zustand
umfasst Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen.

Der Kind-Ich-Zustand,
kurz auch Kind-Ich (K) genannt, ist von Erfahrungen gezeichnet,
die jeder Mensch in seiner Kindheit gemacht hat. Dieses "innere Kind"
lebt in uns als angepasstes (aK) oder als freies Kind (fK).
Das angepasste Kind-Ich hat gelernt sich überanzupassen, zu erstarren,
den Atem anzuhalten oder auch destruktiv trotzig-rebellierend und rücksichtslos
zu (re-)agieren.
Das freie Kind-Ich konnte sich im Spielen, Lachen, Tanzen entfalten und
bedeutet Kreativität, Lebenslust, Lebensfreude. Es handelt spontan und
impulsiv. Mit seinem Charme wickelt es jeden um den Finger und erreicht
spielerisch seine Ziele.
Das Erwachsenen-Ich
(ER) ist der Zustand der realitätsprüfenden und realitätsadäquaten
Auseinandersetzung mit dem Hier und Jetzt. Es handelt eigenverantwortlich
und selbstbestimmt. Es verhält sich sachlich, klar und einfühlsam. Es
reflektiert Ereignisse, Situationen und sucht angemessene Lösungen für
auftretende Probleme. Hier geht es auch um ethisch vertretbare Entscheidungen.
Im
Eltern-Ich (EL) sind Denken, Fühlen und Handeln der Eltern(figuren)
gespeichert: Normen, Verhaltensweisen, Gebote, Verbote (was man tut
u. was man nicht tut) Vorstelllungen (wie das Leben zu leben ist),
Gefühle, Glauben und Glaubenssätze, das moralische Gefüge des Elternhauses
das seinerseits wieder in einem konkreten gesellschaftlichen Kontext eingebettet
ist. Das Eltern-Ich lässt den Menschen so fühlen, denken und handeln,
wie er es von seinen Eltern und anderen Autoritäten übernommen hat. Oft
wird dieser Ich-Zustand so erlebt, als ob es das eigene (Erwachsenen-)Ich
wäre. Wie beim Kind-Ich gibt es auch beim Eltern-Ich zwei Ausformungen:
das kritische Eltern-Ich (konstruktiv-kritisch oder destruktiv-überkritisch)
und das fürsorgliche Eltern-Ich (fürsorglich-nährend oder überfürsorglich-einengend).
Alle
drei Ich-Zustände sind für unsere Entwicklung und Reifung von Bedeutung.
Das Erwachsenen-Ich kann sich erst über das Kind-Ich und durch Überprüfung
des Eltern-Ichs bilden.
Wichtig
ist - und das ist u. a. Aufgabe der Psychotherapie
-
die drei Ich-Zustände
unterscheiden und klar von einander abgrenzen zu können (s.o.: oft
wird das Eltern-Ich so erlebt, als ob es das eigene Erwachsenen-Ich
wäre) und
-
bei Bedarf, je
nach Situation, auch energetisch besetzen zu können;
-
das Kind-Ich
von einengenden Fixierungen (z.B. in Stresssituationen sich tot stellen,
nichts spüren dürfen) zu lösen,
-
das Eltern-Ich
auf einschränkende (z.B. Sex ist schmutzig; Männer sind klüger als
Frauen) und krankmachende Botschaften hin zu überprüfen (z.B. das
Leben ist eine Mühsal oder Leben heißt Leiden oder "das schaffst du
nie" oder "du spinnst").
Jede Form der Kommunikation,
jeder zwischenmenschliche Austausch wird als Transaktion bezeichnet
bzw. kann als Transaktion beschrieben werden.
Die TA definiert
zwei Grundbedürfnisse der Menschen:
Das Bedürfnis nach menschlicher Zuwendung, Beachtung, Anerkennung (strokes)
und das Bedürfnis unsere Zeit zu strukturieren (time-structure),
um zu möglichst viel Anerkennung und Liebe zu Hause und / oder am Arbeitsplatz
zu kommen. (Eric Berne, What Do You Say After You Say Hello? Dt.
Was sagen Sie, nachdem Sie ‚guten Tag' gesagt haben?) Die Kommunikation,
die diese Bedürfnisse befriedigen soll vollzieht sich in Transaktionen
aus den verschiedenen Ich-Zuständen heraus. Die Analyse der Transaktionen
erlaubt wichtige Hinweise auf Ursachen von Störungen in menschlichen
Beziehungen und auf grundlegende Persönlichkeitsmuster.
Bei der Komplementär-
oder Paralleltransaktion läuft die Kommunikation parallel zwischen
den gleichen oder zwei verschiedenen Ich-Zuständen. Die Gesprächspartnerin
reagiert aus dem erwarteten Ich-Zustand.
S = Stimulus
(z.B. eine Frage), R = Reaktion (z.B. die Antwort)
a) "Weist du
wie spät es ist?" "Ja, es ist elf Uhr."

b) "Ach, bin
ich müde und hungrig!" "Leg dich hin, ich gehe kochen."

Die erste Kommunikationsregel
besagt: solange die Pfeile der Transaktionen parallel verlaufen, die Transaktionen
also komplementär sind, kann die Kommunikation ungestört weitergehen.
Bei der Überkreuztransaktion
reagiert der Gesprächspartner aus einem anderen Ich-Zustand als dem der
angesprochen war, dabei überkreuzen sich die Pfeile.
"Weist du wie spät
es ist?"
"Schau doch selbst auf die Uhr!"

Die zweite Kommunikationsregel
besagt: überkreuzte Transaktionen führen zu Spannungen; die Kommunikation
ist gestört und es ist Klärung angesagt.
Eine verdeckte
Transaktion übermittelt gleichzeitig zwei Botschaften. Eine 1) "offizielle"
Botschaft auf der sozialen Ebene (ER - ER) und eine 2) verdeckte auf der
psychologischen Ebene (EL - K).
Verkäufer: "Dieser
Sportwagen wird wohl zu teuer für Sie sein."
Kunde
1) ER: "Sie haben recht, soviel kann ich nicht ausgeben."
2) K: "Aber
genau den will ich haben!"
Die dritte Kommunikationsregel
besagt: die verdeckte Transaktion und damit die psychologische Ebene ist
für das weitere Verhalten - die Entscheidung - bestimmend.
Spiele sind
Transaktionen, die nach bestimmten Mustern immer wieder aus den gleichen
Ich-Zuständen heraus vollzogen werden. Dabei sind diese Ich-Zustände nicht
klar von einander abgegrenzt, sondern überschneiden sich, Trübung
genannt.
Das Konzept
der psychologischen Spiele analysiert, wie Menschen im Hier und Jetzt
manipulativ agieren, um alte Erfahrungen und Gefühle wieder zu bestätigen
(Niemand mag mich, niemand versteht mich.). So schafft die Spiel-Analyse
die Verbindung zwischen dem gegenwärtigen Verhalten und den frühen lebensgeschichtlichen
Erfahrungen. (Eric Berne, Games People Play, Dt. Spiele der
Erwachsenen)
Das Skript
ist das Muster, nach dem Menschen ihr Leben gestalten, ist das Drehbuch
nach dem sie Regie führen und bestimmte Rollen übernehmen. Das Konzept
des Skript beschäftigt sich mit den frühen (negativen) Erfahrungen und
Entscheidungen. Welche Muster sich im Denken, Fühlen und Verhalten fixieren,
hängt von den Verletzungen und Kränkungen in der Kindheit ab und sollen
vor weiteren Verletzungen schützen.
Die Skriptmuster waren für das Kind (Über-)Lebensstrategien; für den Erwachsenen
bedeuten sie oftmals Einengung und Erstarrung.
Die Psychotherapie
der TA will Menschen zur Autonomie verhelfen. Dazu gehören wache Bewusstheit
im Hier und Jetzt, Spontaneität und die Fähigkeit zur Intimität.
Herta Plattner 2024
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